Location Scouting in NYC

25. 7. 2014 // 16:28 Uhr // // Kategorie Randnotizen 2014
Kelly on LIC scouting mission

Kelly on LIC scouting mission

Now back in New York again after our month in the country, Pavol and I are devoting our time to exploring our natural habitat here in New York, looking for locations to shoot the rest of Life and Times – Episode 8 with the company.  Our neighborhood is a maze of decommissioned factories (turned storage for Broadway?), but there’s a strange beauty — even after all that nature — to an industrial landscape.  Things like light, weather, time of day mean different shadows, different color, different feeling.  It’s a perverse pleasure after all this time on the road to explore your own backyard.  Even if the security guy at the cement factory chases you and your camera equipment away… we found a feral cat colony, a secret garden, decommissioned train tracks and weird smelling canals.

I apologize for all the photos with me in them.  Pavol was the one with the camera.  I am the one still learning how to ride my bike.

Down the Street at High Speed

Sunset over the city from Queens

ANSTALT

23. 7. 2014 // 21:18 Uhr // // Kategorie Randnotizen 2014

Das gebäude sehe doch recht anständig aus, sagte einer, er freue sich, ja, das sei doch alles irgendwie aufregend. — / Was wir uns von diesen institutionen eigentlich erwarteten, fragte eine / dachte eine / schwieg eine.
Ich selbst hatte noch ambitionen, ganze talente in den nullerjahren, sagte ich, solche, die sich auch tatsächlich zeigten, sich niederschlugen, die auszuleben waren, sagte ich, von denen man jedenfalls wusste, dass sie existierten. Na na na!, was ich denn damit meinte, fragte die eine von vorhin ganz zu recht, & ich empfand nichts dringlicher im moment als genau solche nachfragen jetzt nicht zu beantworten, und stellte mich also taub, vergesslich, alt und wirr. Es war unangenehm. Ich erwog irgendeine art von parallelhandlung, etwas, das mich (statt wirr) verwegen wirken ließ (nein), etwas, dass mich die situation als ganze fliehen ließ (ja!).

Gemeinsam gingen wir also durch die gänge dieser anstalt, durch die hohen räume, die langen flure. Hinter den vorhängen entdeckten wir prächtige staubflusen, wussten aber nichts anzufangen mit diesen entdeckungen –, und schwärmten also weiter aus — /
Da kam er näher. Stellte sich vor mir auf. Er war schön, er gefiel mir. Ich sprach ihn im plural an: Wen wollen wir, ja wen wollen wir denn da ganz & gar unbemerkt lassen ? wen denn? m-i-c-h ? – Er gab mir ein hübsches sätzchen auf einen papierstreifen gekritzelt ins händchen und ich fiel augenblicklich: in den schoß einer, die hinter mir saß, (und schlief meinen sekundenschlaf.)

Ich würde mir diese führung schon irgendwie gefallen lassen können, sagte ich, bloß wie hätte ich augen gemacht, hätte ich all das selbst sehen, selbst betrachten können, sagte ich, woraufhin er lachte, sich ein wenig lustig machte auch (über mich) und ich ihm das wiederum gerne & großzügig gönnen wollte, denn ich mochte ihn — (er war streng & gütig zugleich.) /
Die räume der insassen seien bedenklich klein gewesen (im vergleich zu den heutigen vor allem) und diese damaligen verhältnisse seien allein ihrer theoretischen grundlagen wegen völlig andere gewesen, man bedenke zum beispiel das licht gottes, das dareinst von ziemlich weit oben in die zellen fiel — / Ich kniff ihn in die seite (okay, dachte ich, das gehe mit sicherheit zu weit, aber nichts davon, im gegenteil: er kicherte schon ganz schön kindisch los und ließ die augen rollen, weit in die hinteren gedanken hinauf.)

An den inhaftierten eine maßnahme zu vollziehen, dachte ich; eine verantwortung den bürgerinnen gegenüber; eine selbsterkenntnis (beigebracht als fremderkenntnis); gepaukt, gebracht, getrichtert; ein spiel aus macht + ohnmacht, eine ziemlich professionelle angelegenheit (maßnahme eben), ein grad zwischen nähe und distanz; programme, bei denen am ende, sagte einer der häftlinge im videoeinspieler, nichts rauskam (gar nichts). Jahre, monate, tage. Wachsam sein. Niemandem trauen. Abwarten. Sich rar machen.
Sie zeigten uns schlitze. Durchreichen. Kleine luken. An den wänden wiesen sie uns auf aufgeklebte zeitungen hin, auf bilder und poster, auf den tischen auf bücher aus der anstaltsbibliothek. (All das sollte uns etwas sagen.) Einer arbeit nachzugehen, wiederholte der eine, gebe struktur (ja verleihe sie); arbeit und struktur, dachte ich: arbeit und struktur.

Ich machte zeichen. Zwinkerte. Er verstand. Wir hauten in einen seitengang ab. Dort zählte ich ihm alle baumarten auf, die ich kannte (es waren nicht viele, ich wusste nicht, woher dieser reflex ausgerechnet jetzt kam; ihn zu beeindrucken fiel als ziel aus, denn jeder & jede, dachte ich, hätte mehr ahnung von der flora dieser welt als ich, dachte ich, und…) Er hörte jedenfalls hin. Ließ mich reden. Begann danach selbst etwas von ackerbau und feld- und landwirtschaft zu plappern; ich aber konnte nicht zuhören. Meinetwegen hätte er mir das kyrillische alphabet aufsagen können, dachte ich, in vielen wiederholungen, in ganz besonders trägen schleifen, ich hätte ihn angestarrt und doch nichts vernommen als —- seinen kontrollierten, regelmäßigen atem (und sein ganzes mächtiges alles).
Wir taten nichts. Die gruppe kam wieder näher. Menschen, dachte ich, die an uns ihre pädagogischen maßnahmen ausprobierten; menschen, die sie vollzogen. Jetzt sprachen sie. Geplänkel. Man verabschiedete sich. Klatschte. Ging. /
Heil und völlig unbedarft kamen wir schließlich raus aus diesem museum, und von dort in den abend hinein hübsch angeschickert mit leichtem sommersprudel, der uns die spektakulärsten und die einfachsten gedanken zugleich eingab (in schöner abwechslung).

Ich wusste nicht, wie er nachhause kommen würde, in der nacht, und statt ihm diese wahl zu lassen, trug ich ihn wie einen kater, eine katze, ein plüschiges tier am hals (eingehakt mit den zähnchen) zu mir nachhause. Für diese art von maßnahme, gab er zu, komme jede anleitung, jede regel und jedes gesetz zu spät, das sich hintendrein in unsere leben schleichen wolle (ich dachte: er spricht gestelzt!). Und wie er sich also auf diese weise von mir abführen ließ, und wie ich mich also auf diese weise einlullen ließ, da spannte schon etwas oder jemand den dunklen vorhang da oben ab, und ließ es zimperlich regnen, hinein in die dämmerung.
Ein mittellanger tag, dachte ich, wir hielten uns ganz gut, eigentlich, sagte ich, und für zwei idioten sei immer platz im staat, sagte er, und da blieb für mich kein nachsatz mehr zu sagen übrig, denn den staat, dachte ich, verschlingt jetzt restlos, ganz gefräßig auch: der tag. —

 

Googelt Amendt!

15. 7. 2014 // 14:15 Uhr // // Kategorie Randnotizen 2014

Das habe ich bestimmt nicht exklusiv, das passiert bestimmt allen, deren Phantasie noch nicht völlig in den Ketten der Disziplin liegt: Man nimmt sich vor, zu Beginn eines Tages am Schreibtisch, sich von Nichts ablenken zu lassen, nicht abzuschweifen, also sich zu benehmen, wie es die Fußballtrainer und Mannschaftskapitäne in diesen Tagen der Weltmeisterschaft als ihre größte Tugend preisen. Sie sind dann (ein schrecklicher Gedanke, der wahrscheinlich nicht einmal gelogen ist) “voll fokussiert” auf den nächsten Kampf.
Und dann klappt das einfach nicht.
Mein Anspruch an mich selbst war: Heute vergegenwärtigst du dir noch einmal die beiden späten Aufsätze Marcuses, in denen er der “marxistischen Verdinglichung” der Kunst (ihre Instrumentalisierung für die vermeintlichen “Erfordernisse des Klassenkampfs”) die Leviten liest und seine eigene Ästhetische Theorie (die in der Autonomie der Kunst das tiefere Zerwürfnis mit dem Bestehenden ansiedelt) darlegt. Die beiden Texte tragen die Titel “Kunst und Revolution” (1972) sowie “Die Permanenz der Kunst” (1977).
Marcuse hat sich meist darauf beschränkt, seine Positionen an Beispielen der Literatur zu bebildern, weil, wie er selbst schreibt, er sich “nicht ausreichend qualifiziert” fühlte auch über Malerei und Musik zu sprechen. Außerdem darf angenommen werden, daß die Musik, von der seine Studenten schwärmten, nicht sein allergrößtes Interesse fand. Im Alter von über siebzig Jahren verliert man die Ambition, auf dem allerneuesten diesbezüglichen Stand zu sein. Und dennoch, dennoch: Manchmal streut er sehr böse Worte gegen das (“Rock”)Festival-Geschehen so um 1970 ein (in einer Fußnote ausgerechnet gegen die wunderbare Sängerin Grace Slick von “Jefferson Airplane”, die ich mal verehrte!) – und dann offenbart er auch noch, für wen er sich so richtig begeistern kann: “Die politische Dimension bleibt dem Anderen, der ästhetischen Dimension verpflichtet (…) Das geschieht auch in einigen zeitgenössischen radikalen Protestsongs, besonders in der Lyrik und Musik Bob Dylans. Die Schönheit, die “Seele” kehrt wieder: nicht die `in food` oder `on ice`, sondern die alte und unterdrückte, die im Lied lebte: cantabile. Sie wird zur Form des subversiven Gehalts, nicht als künstliche Wiederbelebung, sondern als `Wiederkehr des Unterdrückten`. Die Musik entfaltet den Gesang bis zum Punkt der Rebellion, an dem die Stimme, in Wort und Ton, mit der Melodie, dem Gesang aufhört und in einen Aufschrei übergeht.”
(Es gibt noch eine Passage, da nennt Marcuse Bob Dylan in einem Atemzug mit z.B. Verdi, Picasso, Flaubert und Joyce.)
Das, davon wollte ich ja berichten, das war der Moment, als meine mit mir selbst verabredete “Fokussierung” auf Marcuses Überlegungen zur Kunst in die Binsen ging.
Denn – frage ich die wohl mehrheitlich in diesem Punkt unwissende Leserschaft der `randnotizen`- wer war der gewiß kenntnisreichste “Dylan-Erforscher” im deutschsprachigen Raum? Es war der Sozialwissenschafter und Sexualforscher (sein Bestseller “Sex-Front” wurde von 1970 bis heute 500 000 mal verkauft), der große Forscher über den Zusammenhang von Kapitalismus und Drogen (ich empfehle: “No Drugs – no Future”) und eben der Bob Dylan-Entschlüsseler (lesenswert: “The Never Ending-Tour” und “Back to the Sixties”) GÜNTER AMENDT.
Einige seiner wichtigsten Thesen bruchstückhaft erinnernd (mein Gehirn wird diesbezüglich jedes Jahr etwas unzuverlässiger) und an einige kluge Diskussionen mit Günter denkend – und natürlich auch an seinen besonders unfaßlichen Tod, an einer Ampel in Hamburg-Eppendorf stehend von einem PKW erwischt – geriet ich jedenfalls in einige Entfernung zu Marcuses Theorie.
Vielleicht läßt sich ja ein Leser der `randnotizen` von dieser Abschweifung anstecken und ruft mal “Günter Amendt” im Netz auf – und liest was von ihm. Es lohnt.

P.S. Und Dylan, glaube ich, sollte irgendwie eine Rolle spielen, bei unserem Konzert-Theater.

ex-boss ____

11. 7. 2014 // 10:18 Uhr // // Kategorie Randnotizen 2014

 

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work in progress: videostills zum stück “ackermann” [CLASS]