Glückscent und Zahlenmetathese

1. 7. 2016 / 21:03 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2016

Liebe Gesten,

Heute ist nicht von der imaginierten Stadt Turde die Rede, sondern von der Stadt Ruše, in der ich in einer Kurve ein Postamt und diesen Glückscent gefunden habe.

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Nachdem Kauf von vier Briefmarken sagte die Beamtin, die mit mir Englisch sprach, “Two sixty-five”. Sie meinte aber 2,56 und lachte zwei Minuten über diese Metathese.

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Nun kann ich Jonathan eine Karte aus Ruše schreiben und darin vielleicht schon die Goten erwähnen oder Dravograd oder die Meerschaumdrechsler. Oder doch nicht.

Die Stadt Turde

30. 6. 2016 / 14:28 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2016

Im GrazMuseum in der Sackstraße 18 (Zweiter Stock) habe ich einen bedeutenden Druckfehler entdeckt. Ich weiß nicht, ob der Druckfehler dem Fischer Verlag passiert ist oder dem GrazMuseum. Die Dokumentation des Druckfehlers soll auch keine Kritik sein, sondern im Gegenteil eine Dokumentation der Tatsache, dass dieser Druckfehler in meiner Imagination entstanden ist und sich zeitllich rückläufig über die ebenfalls von mir imaginierte Flickschuh-Datei in ein Grafik der besuchten Ausstellung geschlichen hat.

In dieser Ausstellung geht es um die von Calvino beschriebenen Unsichtbaren Städte. Und so heißt es im Roman an der fraglichen Stelle:

Hätte ich bei der Landung in Trude nicht den Namen der Stadt in großen Buchstaben gelesen, ich hätte geglaubt, auf demselben Flugplatz angekommen zu sein, vom dem ich abgefolgen war.
(Italo Calvino)

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Ich las diesen Satz und veränderte ihn beim Lesen folgendermaßen:

Hätte ich bei der Landung in Trude nicht den Namen der Stadt in großen Buchstaben gelesen, ich hätte geglaubt, in der Stadt Turde zu sein.
(Italo Calvino)

Seltsam, dass sich Trude unter die sonst durchgehend griechischen, lateinischen und italienischen Namen geschlichen hat. Seltsam, dass ich die Trude nicht glauben wollte. Und am seltsamsten: Die Macher der Ausstellung sich offensichtlich dasselbe gedacht und die Metathese in einer in der Ausstellung zu sehenden Grafik vollzogen haben:

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Aus Trude wird Turde. Alle anderen Namen wie Eusapia, Argia, Laudomia, Barthseba, Thekla, Perinthia, Leonia, Procopia, Olinda und Raissa (die Gattin von Michail Gorbatschow) bleiben gleich. Und dann gleich nochmal.

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Dressing up for Steirischer Herbst 3

29. 6. 2016 / 18:37 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2016

Praeauer3

Steirischer Herbst, noch immer am Eröffnungsabend.
Jenny F. wird in jeder Hand eine blau-türkis-gestreifte Kerze tragen, brennend. Zum neongrünen Pixelbart kombiniert sie zwei Marsmännchen mit zuckerglasierten Hütchen, denen schwarze Kügelchen aus den Mäulchen ploppen. Ihre Frisur pimpt sie pudrig-hellgrün auf, die Schürze hat sie vorne gebunden.
Bevor es losgeht, wird Jenny F. auf den Grazer Schloßberg wandern und dort oben auf die roten Dächer der Stadt hinuntergucken. Sie wird für 2 Minuten und 45 Sekunden an ihren Vater denken, der in Puntigam in einem Wohnwagen gelebt hat. Dann wird sie die Stufen hinuntersteigen, die Sackgasse Richtung Hauptplatz spazieren, sich in den Schaufenstern vom Kastner spiegeln und eine Schnute ziehen.

leit spraak

29. 6. 2016 / 06:54 Uhr
/ Kategorie Randnotizen 2016

leixt deutz ist leicht zu lernen, zumindest für Menschen, die Deutsch sprechen. Ich denke aber, wir sollten dieselbe Methode auf die germanischen Sprachen erweitern. Damit würden wir die Engländer, die Isländer, die Schweden, Dänen, Norweger, Holländer und eben die Deutschen wieder in einer Sprache vereinen. Und das scheint notwendiger denn je.

Gräben zuschütten heißt es überall. Ein solcher Graben ist die 2. Lautverschiebung. Sie hat nur Spaltung über Europa gebracht. Genauso ist es mit dem Sekundärumlaut. Wir sollten also Brücken bauen oder besser bruks bildɘn.

Aus leixt deutz wird leit spraak, eine einfach germanische Sprache, die jeder in einer Woche lernen kann. Wir verzichten auf Umlaute und machen die 2. Lautverschiebung rückgängig. Auch beim ch stecken wird zurück. Das ix wird zu ii und das ohnehin sperrige wesɘn für sein (danke für die vielen ätzenden E-Mails) wird zu siin. (werdɘn wird durch das einfacheren wilɘn ersetzt).

Hier also die Konjugation von sein in den 3 Tempora:

leit_spraak

Gegenwart

ii sii       iis sii
du sii    dus sii
sii sii     siis sii

Vergangenheit

ii siite         iis siite
du siite      dus siite
sii siite       siis siite

Futur

ii wil siin      iis wil siin
du wil siin   dus wil siin
sii wil siin    siis wil siin

Wir verzichten auf kääse zugunsten von kaas, das wir auch verstehen:

wat du wit wat fon a kaasrenen in de normandii?

Weißt du etwas über ein Käserennen in der Normandie?

Und wir sagen eben futbol statt fuusbal. Das macht niemand etwas aus, höchstens dem Süddeutschen – und selbst ihn kümmert es herzlich wenig.